Brillanz
Ihr werdet es ja sowieso bald erfahren: Ja, ich arbeite an meinem 3. Buch. Es wird das Jahr 1985 musikalisch chornologisch aufarbeiten. Die Recherche hierzu war seltsamerweise etwas komplizierter als für das Jahr 1984. Manchmal musste ich Ewigkeiten suchen, um einen Release einer bestimmten Woche zu finden. Und dabei wurde ich auf dieses Juwel hier, „Wake up“ von XTC, aufmerksam. Weder vom Song noch von der Band dazu hatte ich jemals zuvor gehört. Stilistisch hier irgendwas Vergleichbares zu finden ist schwierig. Die allererste Assoziation, die mir dazu einfällt ist, dass es wie ein Crossover zwischen Genesis und Talking Heads klingt. Es hat die musikalische und klangliche Brillanz, den Abwechslungsreichtum und den satten Schlagzeugsound von Genesis, sowie die gesangliche und kompositorische Verrücktheit von den Heads.
Pop?!
XTC waren eine englische Band, die sich 1976 gründete und sich schließlich 2006 final auflöste. Durchgestartet waren Sie damals als Mischung zwischen Punk- und New Wave- Band, obwohl die Grenzen hier natürlich fließend sind. (siehe mein 1. Buch). Andy Partridge, der Sänger und wenn man so will, Kopf der Band, lehnte diese Einteilung ab und wollte sich einfach „nur“ als Mitglied eine Popband begreifen. Aber, was ist schon Pop! Für mich persönlich ist alles Pop, was bei den Leuten ankommt. Pop ist schließlich nur die Kurzform von populär! Wie auch immer.
nie wieder
Der Grund dafür, warum der Song „Wake up“ so wahnsinnig gut und ausgefeilt produziert wurde und auch nicht so klingt, als sei er schon 39 Jahre alt, ist eigentlich ein trauriger. 1980 und 1981 waren XTC als Vorband von The Police international unterwegs. Andy Partridges mentaler Zustand verschlechteter sich zu dieser Zeit. Er wusste teilweise nicht mehr, wer er war und hatte auch andere Anzeichen für Gedächtnisverlust. Sowohl die Plattenfirma als auch die Bandkollegen lehnten einen vorzeitigen Abbruch der Tournee, um den Partridge bat, aber ab, was zu seinem Zusammenbruch führte. Fortan sollten XTC nie wieder auf Tour gehen. Statt Songs zu schreiben und zu arrangieren, die man so auch live spielen könnte, konzentrierte sich Partridge auf perfekt ausgefeilte Studioproduktionen, was letztendlich zu diesem superben Sound führte.
Chaos
Doch auch in anderer Hinsicht ist das Schicksal der Band einigermaßen tragisch. Durch schlechtes Management wurden XTC unzureichend an den Lizenzgebühren ihrer Songs beteiligt, sodass sie sich verschuldeten. Aus einer äußerst talentierten und bei Kritikern sehr beliebten Band, die auch eine treue Fangemeinde hatte, wurde daher leider nie eine weltbekannte Band. Schade eigentlich. Andy Partridge arbeitet heute immer noch im Musiksektor. Für uns Deutsche ist vielleicht noch interessant, dass er es war, der für Herbert Grönemeyer die Texte von dessen Album „Chaos“ ins Englische übersetzte. Tut der Band mal den Gefallen und hört in dieses fantastische Stück rein. Viel Spaß mit XTC und „Wake up„.
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